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Rostock und Landkreis Rostock
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Matthias Höhne - der Außenstellenleiter in Rostock und Landkreis Rostock

Wenn Matthias Höhne aus seiner Wohnung auf die hölzerne Terrasse tritt, kann er über die Dächer der umstehenden Einfamilienhäuser sehen. Dahinter ragen Bäume in die Höhe, und wenn Höhne nach rechts blickt, leuchtet nur wenige Kilometer weiter blau die Ostsee. Er liebt das Wasser, die Nähe zum Meer. Höhne lebt seit vielen Jahren an der Ostsee, aber seine Heimat Berlin trägt er weiter im Herzen und auf der Zunge. Wenn er schlimm sagt, spricht er das i mehr wie ein ü aus. Er sagt „irjendwann“ mit j statt g. Seine Stimme klingt rau, aber fest, wie die Rinde eines Baumes.

Er leitet eine der größten Außenstellen beim WEISSEN RING und pendelt dafür zwischen zwei Standorten: der Stadt Rostock sowie Güstrow im Landkreis Rostock. Es ist der viertgrößte Landkreis in Deutschland, er erstreckt sich über 3.400 Quadratkilometer. Das ist so groß wie knapp 480.000 Fußballfelder nebeneinander. 
Die Felder dieses Landkreises lagen für den WEISSEN RING fast brach, als Höhne die Tür zum Verein öffnete und seine ersten Schritte dort machte. Keine zehn Ehrenamtlichen arbeiteten hier, fast alle älter als 70 Jahre. Als Höhnes Außenstellenleiter krank wurde, rief das Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern ihn an, fragte, ob er die Stelle übernehmen wolle. Er wollte.

Matthias Höhne führt heute 20 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Gleichzeitig rufen immer wieder Menschen bei ihm an, immer wieder vertröstet er sie. Er habe eine Warteliste für neue Ehrenamtliche, sagt er. Aber auch die sei voll. Für den WEISSEN RING ist das etwas Besonderes. 

Nach 30 Jahren ging er in Rente. Aber so, wie Höhne früher als Manager durchs Land gondelte, wuselt er auch beim WEISSEN RING. Im ersten Jahr als neuer Leiter fährt er durch den ganzen Landkreis. Schüttelt Hände, bei Gerichten, in den Stadtverwaltungen, bei der Polizei, hält Vorträge an Schulen. Er strickt an seinem Netzwerk. Auf einer Webseite der Stadt Rostock schaltet er für Vereine ein Gesuch nach Freiwilligen. Höhne ackert wie in einem Vollzeitjob. Nach einem Jahr sagt er und scherzt, „kriegte ich einen auf die Mütze, der Bumerang kam zurück.“ Er meint: Plötzlich hatte er den Tisch voll mit Arbeit, voll mit Interessenten, die ihn anriefen, auch Betroffene von Gewalt, immer mehr. „Aber das Schöne ist: Jetzt bin ich bekannt.“

Seine Teams in Rostock und Güstrow sind mit Ehrenamtlichen voll besetzt, deswegen die Warteliste, denn: Mehr als 20 Leute könne er nicht betreuen, sagt Höhne, er müsse schließlich eine „Führungslogistik“ aufbauen. Er hebt beide Hände nach oben, so als ob er ein Orchester dirigiert. „Dabei steht Kommunikation ganz oben. Meine Ehrenamtlichen arbeiten mit Schicksalen, das schlägt schon mal aufs Gemüt. Dass wir darüber reden, ist für mich wichtiger als alles andere.“ 

Höhne ist es gewohnt, schnell zu leben, zu handeln. Manchmal kollidiert das mit den Strukturen eines Vereins, wo manche Prozesse zäh wie Honig fließen können. „Am Anfang hat es ordentlich gebumst. Ich habe einige Leute verärgert, zumindest aufgeschreckt. Ich habe oft ungehalten reagiert, ob das nicht flotter und anderes gehen könne.“ Inzwischen sei er aber ruhiger, gelassener geworden.
Nach dem Frühstück liest er zunächst die digitale Zeitung am Esstisch. Seine Hündin Toti, eine französische Bulldogge, liegt bei ihm. Dann arbeitet er für den WEISSEN RING. Um die Mittagszeit nimmt er Toti, legt sie an die Leine, stöpselt seine Kopfhörer ins Ohr und stiefelt los. Nachmittags setzt er sich wieder für den Verein an den Tisch. Er werkelt im Garten mit seiner Familie, reist mit seiner Frau im Wohnmobil umher. Von Langeweile hält er Abstand so wie andere von der heißen Herdplatte. 
Matthias Höhne ist ein Macher, das schenkt ihm Energie. „Erfolg ist für mich ein Spiegel, dass ich gut bin. Das ist nicht unbedingt mit Geld oder Karriere verknüpft. Es heißt, dass ich helfen kann, dass sich die Betroffenen bedanken und hoffnungsvoller in die Zukunft blicken können.“

Viel hat er beim WEISSEN RING erreicht. Sein Team aufgebaut, verjüngt, sein Netzwerk, seine Warteliste. Sogar eine Stellvertreterin hat er inzwischen. Das ermöglicht ihm, seinem Hobby nachzugehen: „Mein Ziel ist es, drei Monate im Jahr weg zu sein, auf Reisen,“ sagt er. Und damit auch von der ehrenamtlichen Arbeit zu verschnaufen. Also sagt er zu seinem Team: „Ihr seid die Manager vor Ort, ihr müsst eure Entscheidung selbst treffen und im Sinne des Vereins handeln.“

Quelle: "Der Reisende" von Katharina Elsner in "Forum Opferhilfe" 01/2024 (gekürzt und aktualisiert)

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